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Ein Jahrhundert Vereinssport im ATSV Stockelsdorf
Chronik des ersten Stockelsdorfer
Turn- und Sportvereins
Seit nunmehr 100 Jahren wird in der
Gemeinde Stockelsdorf in der Gemeinschaft eines Vereins Sport
betrieben. Leider ist uns über die Anfänge der Turn- und
Sportbewegung in unserer Gemeinde aus der Mitte des vorigen
Jahrhunderts nichts überliefert. Auch die nachfolgende Chronik des
Vereinsgeschehens erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn
die Wirren der Zeitgeschichte - insbesondere der beiden Weltkriege -
und Gedankenlosigkeit, aber auch Nachlässigkeit führten zum Verlust
wichtiger Sportaufzeichnungen und Bilddokumente.
Trotzdem gelang es, aus mündlichen Überlieferungen und privaten
Bild- und Textsammlungen diese Chronik über den jetzt l00jährigen,
oft beschwerlichen Weg des Allgemeinen Turn- und Sportverein
Stockelsdorf aufzuzeichnen.
Wenn nachstehend einige Mitglieder namentlich erwähnt werden, so
ausschließlich, um deren Mitwirken an Gründung, Ausbau und Führung
während der hinter uns liegenden 100 Jahre des Vereins zu
verdeutlichen. Ihre Namen stehen gleichzeitig für die Arbeit,
Aufopferung und Treue aller ATSV-Mitglieder, denen für vergangene
und gegenwärtige Leistungen Dank zu sagen ist.
Als "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn Anfang des 19. Jahrhunderts
mit seinen Ideen unter dem Leitsatz: "Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei"
die Jugend Deutschlands zum Turnsport motivierte, löste er damit
eine Welle der Begeisterung aus, die weit über den ursächlichen
Sport hinausging und landesweit zur Gründung freier Turn- und
Sportvereine führte.
Am 5. November 1894 fanden sich auch in Stockelsdorf beherzte Männer
- Heinrich Rönfeld, Otto Nickel, Karl Pick, Fritz Damman und Theodor
Evers -, um einen Turn- und Sportverein in Stockelsdorf aus der
Wiege zu heben. Die Anregung hierzu gaben Paul und Willi Westphal
vom ATV Lübeck.
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1897: Der Vorstand des am 5.11.1894 gegründeten Tur-Vereins
Stockelsdorf (später Arbeiter-Turn-Verein (ATV Stockelsdorf). V.l. oben: Blajé, Paul Buch, Johnannes Drews, Heinrich Faasch;
unten: Karl Weiß, Theodor Evers, Friedrich Evers. |
Das große persönliche Engagement
der Gründer und eine rege Werbung führten in kurzer Zeit viele am
Sport interessierte Stockelsdorfer zusammen, die den neuen Verein
schnell aufblühen ließen. Als Vereinslokal wurde die Gaststätte von
Ludwig Paetau, Fackenburg gewonnen, in deren kleinem Saal zunächst
auch geturnt wurde.
Als sehr schwierig erwies sich die Beschaffung der nötigen
Turngeräte. Hier bewiesen die damaligen Turner, mit welchem
Idealismus sie ihren Sport betrieben. Groschen für Groschen trugen
sie von ihrem in dieser Zeit mehr als kargen Verdienst zusammen und
schafften nach und nach fehlende Geräte an. Jede Turnstunde begann
mit einem fröhlichen Lied, woran sich Freiübungen aller Art
anschlössen. Zur Freude des Turnwartes Paul Westphal wetteiferten
die Turner bei den einzelnen Übungen um immer bessere Leistungen, so
daß seine Bemühungen bald von Erfolg gekrönt waren. Eine kaum
erwartete Begeisterung führte inzwischen zum Aufbau der
Schüler-Turngruppe. Aber diese jungen Leute wollten nicht nur
Turnen, sondern auch Schleuderball werfen. Faustball und Schlagball
spielen und Leichtathletik betreiben. Da hierfür kein geeigneter
Sportplatz zur Verfügung stand, konnten diese Sportarten nur in sehr
beschränktem Umfang betrieben werden, denn man mußte sich für die
Spiele zunächst mit einem kleinen, auf dem Stockelsdorfer Markt
abgesteckten Plätzchen begnügen.
Im Jahre 1908 stellten die Sportfreunde Paul Westphal, Wilhelm
Busike, Karl Soost, Willi Voigt, Ernst Hoffmann, Otto Hoffmann,
Wilhelm Rolf und Theodor Evers den ersten Turnerspielmannszug auf.
Trotz des Elans der Spielleute war der Aufbau dieses Zuges besonders
schwer, weil für die Anschaffung der teuren Instrumente nur
bescheidene Mittel zur Verfügung standen. Aber unter großen Opfern
der Spielleute und des Vereins war der Zug bald ausreichend bestückt
und erfreute sich zunehmender Beliebtheit. Schon wenig später konnte
dieser neuen Vereinssparte eine Schülergruppe angegliedert werden.
Auf einheitliche Kleidung wurde in dieser Aufbauphase noch kein Wert
gelegt. Jeder zog sein "Schaptüch" an. Unter der Leitung von Willi
Voigt entwickelte sich der Turnerspielmannszug zu voller Blüte.
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1910: Die Turner-Spielleute des im Mai 1908 von Paul Westphal
aufgestellten Stockelsdorfer Männer-Spielmannszuges. |
Unter seinem l. Vorsitzenden Karl
Johannisson entwickelte sich der Verein stetig weiter. Das Ansehen
des Vereinssports wurde besonders durch öffentliche Veranstaltungen
mit turnerischen und sportlichen Darbietungen sowie Sommerfesten und
Sportlerbällen gefördert. Bei stets guter Beteiligung erfolgte unter
Anführung des Spielmannszuges eine Reihe von Ausmärschen in die
nähere Umgebung, z.B. nach Reinfeld, Segeberg, Neustadt und Bad
Schwartau. Das Vereinsgeschehen verlief bis zum Ausbruch des Ersten
Weltkrieges störungsfrei und erfolgreich.
Der Erste Weltkrieg stoppte den aufblühenden Verein jäh. Mit der
Einberufung vieler aktiver Sportler und ihrer Übungsleiter wurde es
immer schwerer, den Spielbetrieb ungestört aufrechtzuerhalten. Er
musste schließlich vorübergehend eingestellt werden. Der Krieg schlug
schwere Wunden, und auch die Reihen der Stockelsdorfer Sportler
lichteten sich stark. Viele der Besten kehrten nicht zurück,
darunter 13 aktive Mitarbeiter. Das erschwerte den Wiederaufbau des
Vereins und machte den Neubeginn besonders mühsam. Jedoch nahmen
jene Turnerinnen und Turner, die den Krieg unbeschadet überstanden
hatten, unter dem l. Vorsitzenden Theodor Evers den Vereinsbetrieb
ungebrochenen Mutes wieder auf.
Geturnt wurde zunächst in der Brauerei Kock, danach bei Dietrich in
der Segeberger Straße 9 und eine Zeitlang in Heinrich Doses Gasthof
"Drei Kronen". Schon damals machte man sich im Verein Gedanken
darüber, eventuell einen Turnhallenbauverein zu gründen, um sich auf
diesem Weg eine geeignete Übungsstätte zu schaffen. Es erwies sich
jedoch als aussichtslos, für ein solches Anliegen bei den Behörden
Gehör zu finden. Durch den eben erst beendeten Krieg waren andere
Aufgaben vorrangig, und auch die Bevölkerung war durch die
Kriegsfolgen noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Obwohl also
die Überlegungen für den Bau einer Turnhalle zunächst zurückgestellt
werden mussten, ging es mit dem Verein wieder aufwärts. Das Turnen,
die ursprüngliche Domäne der Stockelsdorfer, wurde eifrig weiter
gepflegt, und der Spielbetrieb nahm immer ausgeprägtere Formen an.
Im Jahr 1923 wurde auf Anregung von Karl Evers sowie Friedrich und
Max Graf eine Fußballabteilung gegründet. Die Mitglieder spielten in
dieser Zeit ohnehin überall dort Fußball, wo sich die Gelegenheit
bot. Daher war es nicht verwunderlich, daß sich innerhalb kurzer
Zeit eine ganze Reihe Fußballbegeisterter im Verein anmeldeten. Für
die Durchführung der Spiele stand jedoch kein ausreichender Platz
zur Verfügung. Als sich die Gelegenheit bot, das inzwischen von der
Gemeinde übernommene Herrengartengelände auszubauen, fanden sich
viele freiwillige Helfer, um hier eine zeitgerechte Sportstätte zu
schaffen (siehe im einzelnen Bericht der Fußballabteilung).
Bald nach der Gründung der Fußballabteilung entwickelte sich 1923/24
aus der Schlagballsparte eine Handballabteilung. Auch sie erfreute
sich nach kurzer Zeit eines regen Zuspruchs.
Die Leitung des Vereins wurde von Theodor Evers 1923 an Hannes Drews
übergeben, der bis 1930 Vorsitzender blieb. Danach führte für ein
Jahr Hermann Schmidt den Verein, der den Vorsitz 1931 an Amandus
Voigt abgab. Unter seinem Vorsitz nahm die Entwicklung des Vereins
weiter einen positiven Verlauf. Sein unermüdliches Schaffen, seine
Fürsorge um die Mitglieder und seine mutige Aufrichtigkeit wurde für
viele ein Vorbild.
Als die Machtergreifung der NSDAP 1933 zur Unterdrückung des freien
Sports führte, wurden Amandus Voigt und andere seiner Turnkameraden
in Haft genommen, der Verein am 8. Mai 1933 aufgelöst und alle
vorhandenen Turngeräte, Instrumente sowie alles bis dahin erreichte
beschlagnahmt. In diesem schweren Chaos, das dieser Krieg
hinterlassen hatte, fanden sich erneut Frauen und Männer des Vereins
zusammen und gingen an die Neuorganisation des Sportlebens in
Stockelsdorf. Trotz eigener großer Sorgen und Nöte begannen sie
unter den Augen der strengen Besatzungsmächte, nach Sportgeräten und
Instrumenten zu suchen. Dank dieser Bemühungen konnte einiges
wieder gefunden werden, wobei Hans Burmeister und Bruno Lenkerstorf
eine gute Spürnase und eine besonders glückliche Hand hatten.
Am 15. Juli 1945, knapp acht Wochen nach Beendigung des Krieges,
riefen die" Sportfreunde Johannes Drews, Hans Burmeister, Bruno
Lenkerstorf, Karl Evers und Gertrud Groth nach schwierigen
Verhandlungen mit der britischen Besatzungsmacht den Allgemeinen
Turn- und Sportverein Stockelsdorf (ATSV) ins Leben. In ihm fanden
sich die Sportler des 1924 gegründeten Stockelsdorfer Sportverein (STSV),
der von den Briten aufgelöst worden war, ein neues Zuhause. Erst
nach langwierigen, beschwerlichen Verhandlungen hatte die
Besatzungsmacht der Aufnahmemöglichkeit der '24er Sportler
zugestimmt. Der Vereinssport begann wieder mit dem traditionellen
Turnen, das im Gasthof Lampe im kleinen Raum hinter der Saalbühne
stattfand. Hier konnte allerdings nur bis 20 Uhr geturnt werden,
denn dann begann nebenan das Kinoprogramm. Auch ein Schulraum der
Stockelsdorfer Schule musste eine Zeitlang für die Turnübungen
genutzt werden.
Unter hohem persönlichen Einsatz schafften es die Stockelsdorfer
Sportler relativ kurzfristig auch wieder. Fußball- und
Handballmannschaften aufzustellen und mit ihnen Spiele
durchzuführen. Karl Höppner und Hans Burmeister hatten inzwischen
Instrumente des Spielmannszuges ausfindig gemacht, so daß auch mit
dem Wiederaufbau dieser Abteilung begonnen werden konnte. Unter Karl
Höppners Anleitung entstand mit Wilhelm Schunck, Emil Meyer und
vielen früheren Spielleuten unter der Stabführung von Heinz Klempau
ein großer Spielmannszug, dem sehr bald ein Schülerzug angegliedert
werden konnte.
Den l. Vorsitz des ATSV führte von 1945 bis 1946 Johannes Drews, und
die Hauptkasse verwaltete in dieser Zeit Hans Fick. Bis 1947
übernahm Bruno Lenkerstorf die Leitung des Vereins, die er nach der
Rückkehr von Amandus Voigts aus der Gefangenschaft an diesen abtrat.
2. Vorsitzender war zu dieser Zeit Hans Burmeister, und die
Hauptkasse führte Heinrich Drews.
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Amandus Voigt, 1. Vorsitzender von 1931 - 1933 und 1947 - 1955 |
Das große Interesse für den Sport
in Stockelsdorf bewiesen die ständig wachsenden Mitgliederzahlen, so
daß sich der Verein sehr schnell zu einem der größten im Lande
entwickelte. Vordringliche Aufgabe war es daher, für großräumige
Sportstätten zu sorgen. So kam es zum zweiten Ausbau des Spielfeldes
im Herrengarten. Wieder waren es die Mitglieder, die mit 2035
freiwilligen Arbeitsstunden neue Spielfelder anlegten. Hinzu kamen
Gelder des Vereins und Beteiligungen der Gemeinde und des
Sportförderungsausschusses Schleswig-Holstein. Noch vor Sylvester
1947 waren auch diese Arbeiten erfolgreich beendet. Danach ging es
an den Bau des ersten Tennisplatzes im Herrengarten. Er erfolgte
unter den gleichen Bedingungen wie beim Bau des Sportplatzes und war
1950 fertig gestellt. Gleichzeitig wurde die Tennisabteilung
gegründet, deren Leitung Kurt Brüdigam übernahm, gefolgt von Dr. B.
Hermann und Schwester Elli Wigger, Lehrer Wolfgang Meinke und
Paul-Eggert Stapelfeldt. 1953 nahm die Abteilung dann erstmals am
Punktspielbetrieb teil. Sport- und Tennisplatz waren laut Vertrag
ständig vom Verein zu pflegen und instand zu halten, ebenso die
unmittelbar angrenzenden Parzellen. Anfangs fanden sich hierfür
genügend Freiwillige, später aber waren es fast ausschließlich
Funktionäre des Vereins, die dieser Aufgabe gerecht zu werden
versuchten. Gemäß alter Aufzeichnungen wurde 1953 die Gymnastikriege
unter der Leitung von Elisabeth Hermann gegründet und am 8. Mai im
Herrengarten die Leichtathletikriege ins Leben gerufen. Sie umfasste
30 Schüler, zehn Jugendliche und fünf Herren. Am 20. August 1953 war
der Herrengarten Austragungsort von Bundesjugendspielen. Seit dem l.
Oktober wurde in Stockelsdorf auch das Deutsche Sportabzeichen
abgenommen. Nach einjähriger Pause, für die fehlende
Trainingsmöglichkeiten verantwortlich waren, konnte ab dem l.
Oktober auch wieder Tischtennis gespielt werden. Für
Trainingsstunden und Mannschaftswettkämpfe stand der Gasthof "Zum
Landgraben" zur Verfügung. Leiter der Tischtennis-Abteilung war
zunächst Hans Voss und später Fritz Tretall. Zu dieser Zeit hatte
sich im ATSV auch bereits eine Schachabteilung etabliert, die von
Frau Schernau geleitet wurde. Als besonders freudiges Ereignis wird im ATSV-Jahresbericht 1953
vermerkt, dass der Verein seine Schulden restlos abbauen konnte.
Weniger erfreulich war, dass der Spielmannszug seine Schülerabteilung
aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten, mangelnden technischen
Hilfsmitteln und fehlenden Hilfskräften abmelden musste. Durch einen Unglücksfall verlor der Verein 1953 seinen langjährigen
verdienten Hauptkassierer Heinrich Drews, der mit dem wenige Jahre
später verstorbenen 2. Vorsitzenden Hans Burmeister einen
entscheidenden Anteil am Wiederaufbau des Sportbetriebes nach 1945
in Stockelsdorf hatte. Besonders zu würdigen für ihre Aufbauleistungen und Verdienste sind
an dieser Stelle: Für das Turnen: Ernst Griehs, Hermann Schmidt,
Friedel Hübner, Irma Laude, Elisabeth Hermann, Ilse Grewsmühl,
Hildegard Konrad, Erna Leps und Margit Voß. Für den Fußballsport:
Karl Evers, Karl Höppner, Friedrich Willers, Kurt Haase, Hans
Schlichting und Karl Ludwig Tretau. Für den Handballsport: Wilhelm
Schunck, Friedrich Konrad, Paul Meßfeld, Werner Drost, Karl-Heinz
Lusche, Otto Runge sowie die Brüder Hübner. Für den Spielmannszug:
Wilhelm Schunck, Emil Meyer, Heinz Klempau, Harry Johannsson,
Heinrich Tschächner, Klaus-Peter Schmidt und Hans-Peter Schwarz. Im Juli 1953 gab der Verein das erste eigene Mitteilungsblatt heraus
und bereitete sich in den folgenden Monaten auf das 60jährige
Jubiläum im Jahre 1954 vor. In diesem Jubiläumsjahr richtete der
Spielmannszug des ATSV sein erstes Gautreffen für die Turnspielleute
des Travegaus im DTB in Stockelsdorf aus. Einen nachhaltigen
Eindruck hinterließ das aus diesem Anlass im Herrengarten vor 2000
Zuschauern gegebene Großkonzert von 450 Spielleuten. Spielleute
leiteten auch die Jubiläumsfeier in den Fackenburger Lichtspielen
ein, die unter der Regie von Amandus Voigt stattfand. Amandus Voigt hatte entscheidenden Anteil an der Bildung eines
Kuratoriums für den Bau der Stockelsdorfer Turnhalle im
Herrengarten. Sie konnte 1957 ihrer Bestimmung übergeben werden. Die
Finanzierung der Halle erfolgte überwiegend aus Spenden der
Bevölkerung, aus Sportmitteln und mit Hilfe erheblicher Zuschüsse
der Gemeinde, während der ATSV wesentlich zur Ausstattung mit
Sportgeräten beitrug. Es sei noch erwähnt, dass bereits in den 50er Jahren im Herrengarten
alljährlich eine Turn- und Sportwoche stattfand. Am 14. Januar 1955
traten überraschend Amandus Voigt als l. Vorsitzender und Hans
Burmeister als 2. Vorsitzender zurück. Beide Sportfreunde hatten für
den ATSV viel geleistet und zeichneten sich durch unermüdlichen
Tatendrang aus. Dies stellten sie besonders dann unter Beweis, wenn
es um die Erweiterung von Sportanlagen oder die Verbesserung der
Finanzlage des Vereins ging. Wegen dieser Verdienste wurde Amandus
Voigt zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. Bis zu diesem
Zeitpunkt war jener Titel erst zweimal verliehen worden. Am 11. Februar 1955 betraute der ATSV Dr. Bernd Hermann mit dem
Vorsitz, Heinz Klempau wurde zu seinem Stellvertreter und Karl
Höppner zum Hauptkassierer gewählt. Gleichzeitig wurde eine
Kommission zur Neufassung der Vereinssatzung gebildet, die in ihrer
wesentlichen Form noch heute Gültigkeit hat. Im selben Jahr leiteten
die Verantwortlichen die Ablösung der Platzunterhaltsverpflichtungen
des Vereins und den Abschluß eines neuen Pachtvertrages mit der
Gemeinde ein. Da das durch die Verbände eingeführte Kleinspielfeld
für Fußball und Handball neue Schwierigkeiten schuf, wurde seitens
des Vereins besonders nachdrücklich auf die Notwendigkeit eines
zweiten Ausweichsportplatzes hingewiesen. Ferner wird aus diesem Jahr berichtet,
dass mit den Mannschaften der
damaligen DDR viele Begegnungen stattfanden. Die Gemeinde gab den
Vereinen Wandergelder und Sportförderungszuschüsse. Die Verfolgung
der Wiedergutmachungsansprüche gegen das Dritte Reich wurde wegen
der von den Nazis beschlagnahmten Vereinsgeräte eingeleitet. Die
Zusammenarbeit des Vereins, besonders ihrer Turnabteilung mit dem
Deutschen Turnerbund, wurde erweitert. Am 16. August 1957 gab Dr. Bernd Hermann aus beruflichen Gründen den
Vereinsvorsitz an Heinz Klempau ab. Neuer Zweiter Vorsitzender wurde
Harry Johannsson. Unter dem neuen Vorstand wurden die Anträge auf
Wiedergutmachung erfolgreich abgeschlossen. Dies ermöglichte es dem
Verein, weitere dringend benötigte Sportgeräte anzuschaffen. Durch
den KSV Eutin wurde die Bildung eines Sportbeirates in Stockelsdorf
angeregt und vom ATSV beantragt. Der Spielmannszug feierte am 17. Mai 1958 sein 50jähriges Bestehen.
Aus diesem Anlass wurde das Gautreffen der Turnerspielleute im
Travegau zum zweiten Mal nach Stockelsdorf vergeben. An ihm nahmen
500 Spielleute teil, die im Herrengarten wiederum ein Großkonzert
gaben. Ferner wird aus diesem Jahr berichtet, dass durch den Verein eine
Renovierung und Gesamteinfriedung des Sportplatzes Herrengarten
angeregt und eingeleitet wurde. Die Finanzierungsmittel wurden von
der Gemeinde, dem Verein (10.000 Mark), dem Kreis und dem
Sportförderungsausschuss aufgebracht. Zu den örtlichen Schulen und
Vereinen wurden gute Beziehungen gepflegt. Eine
Hausfrauen-Gymnastik-Abteilung wurde ins Leben gerufen, an deren
Geburt besonders Elisabeth Hermann großen Anteil hatte. Auch wurde
das Prellballspielen für Frauen eingeführt. Zu einer ständigen
Einrichtung wurden vorweihnachtliche Feiern für die Jugendlichen des
Vereins. Vereins- und Familienbeiträge wurden neu eingeführt und in
die Satzung aufgenommen. Am 27. Juni 1964 wurde der neu ausgebaute, völlig eingezäunte und
mit Stehtribünen versehene Sportplatz Herrengarten unter großer
Anteilnahme der Bevölkerung durch die Gemeindevertretung den Schulen
und dem ATSV übergeben. Am selben Tag erfolgte auch die Übergabe des
mit einer Laufzeit von 25 Jahren ausgestatteten Benutzungsvertrages.
In ihm waren keine Bestimmungen mehr über laufend vorzunehmende
Unterhaltungsarbeiten seitens des Vereins enthalten. Der 12. September 1965 wurde zu einem bedeutsamen Tag in der
Geschichte des ATSV. Unter großer Beteiligung auswärtiger und
örtlicher Vereine - und Fahnenabordnungen - wurde nach einem großen
Festumzug durch Stockelsdorf auf dem Sportplatz Herrengarten die
Vereinsfahne feierlich eingeweiht. Diese neue ATSV-Fahne war
gemeinsam entworfen worden und ist für alle ATSV-Sportler ein
besonderes Schmuckstück. Im Januar 1968 begannen die Planungen zum Bau eines zweiten
Tennisplatzes im Herrengarten. Hierzu stellte die Gemeinde kostenlos
mit 25 Jahren Laufzeit Gelände zur Verfügung und gab zu den Kosten
der Baumaßnahmen einen erheblichen Zuschuss. Der Ausbau der Anlage
war erforderlich geworden, weil die Mitgliederzahlen ständig
zugenommen hatten und zudem die Absicht bestanden hatte, eine
Jugend-Tennisgruppe zu gründen. Wie schon bei den vorangegangenen
Bauten erfolgte die Finanzierung durch Verein, Kreis und aus Mitteln
des Sportförderungsausschusses. Auf Vorschlag des Finanzausschusses der Gemeinde brauchte der Verein
ab l. Januar 1968 für die Turnhalle und den Sportplatz im
Herrengarten keine Benutzungsgebühr mehr zu entrichten. Die dadurch
frei werdenden Finanzmittel, so hieß es 1968, sollten für die
Einsetzung qualifizierter Übungsleiter und Trainer verwendet werden.
Der damalige Chronist vermerkt dazu: "Schon heute werden im Verein
mehrere solcher Übungsleiter und Trainer beschäftigt. Die vielen
einzelnen sportlichen Disziplinen, welche heute vom Verein angeboten
werden, beginnen ihre Übungsstunden schon am frühen Nachmittag und
können kaum noch von ihrem Beruf nachgehenden Mitgliedern geleitet
werden." Seit April 1968 gibt es auch in Stockelsdorf einen durch die
Gemeinde berufenen Sportbeirat. In ihm sind Vertreter der einzelnen
Sportvereine und der politischen Parteien vertreten. Er hat die
Aufgabe, sportliche Anliegen entgegenzunehmen, diese beratend zu
bearbeiten und in die einzelnen Ausschüsse zu tragen und
gleichermaßen auch die Anliegen sportlicher Art seitens der Gemeinde
an die einzelnen Vereine heranzutragen. Seine Tätigkeit soll eine
empfehlende sein. Am 24. Januar 1969 schied der 2. Vorsitzende Dieter Schernau wegen
eines Wohnungswechsels aus dem Vorstand aus. Horst Stichtenoth wurde
sein Nachfolger. Unter Führung des neuen Vorstandes ging das Jahr 1969 in besonderem
Maße in die Vereinsgeschichte ein: Denn in diesem Jahr wurde das
75jährige Bestehen des Vereins gefeiert. Im Jubiläumsjahr fanden 14 sportliche beziehungsweise gesellige
Veranstaltungen statt. Hiervon sind besonders der Jubiläumsball am
17. Mai, das Gautreffen der Turnerspielleute am 18. Mai und das
Jubiläumssportfest am 15. Juni sowie die Gründungsfeier am l.
November 1969 hervorzuheben. Diese Veranstaltungen sind vielen
Vereinsmitgliedern und Freunden des ATSV noch heute in guter
Erinnerung. Ebenso bleibt die Errichtung des zweiten Tennisplatzes
ein Meilenstein in der stetigen Entwicklung des ATSV, der im
Jubiläumsjahr 649 Mitglieder zählte. Am 29. Januar 1971 wurde Jörg Troike zum Kassenwart gewählt. Er
übernahm das Amt von Karl Höppner, der 16 Jahre für die Finanzen im
ATSV verantwortlich gewesen war. Am 15. September 1971 wurde die in Eigenleistung erstellte
Flutlichtanlage, hier erbrachten Mitglieder 500 Arbeitsstunden, auf
dem Sportplatz Herrengarten in einem Eröffnungsspiel gegen den VfB
Lübeck vor über 800 Zuschauern eingeweiht. Der Zustrom der sportbegeisterten Stockelsdorfer zum ATSV hielt
weiter an. So wurden 1971 die Abteilungen Judo und Badminton im ATSV
eingerichtet. Doch neben all' diesen Erfolgen mussten auch einige
Rückschläge verkraftet werden. Der Spielmannszug wurde 1971
aufgelöst. Im März 1972 konnte die Schülerin Angela Klünder, die der Gruppe
Volkstanz in der Turnabteilung beitrat, als 1000. Mitglied begrüßt
werden. Am 21. Dezember 1972 wurde mit Wirkung vom l. Januar 1973 ein
Nutzungsvertrag mit der Gemeinde für die Dauer von 40 Jahren über
die Benutzung der Tennisanlage geschlossen. Aufgrund dieses
langjährigen Vertrages wurde noch 1973 mit dem Bau eines Clubhauses
neben den Tennisplätzen begonnen. Am 3. Mai 1974
konnten dieses Clubhaus und gleichzeitig der dritte Tennisplatz
eingeweiht werden. Beide Baumaßnahmen wurden in Eigenleistung des
ATSV bei Förderung durch die Gemeinde, den Kreis und das Land
erstellt. Viele Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder hatten die
Durchführung dieses Bauvorhabens ermöglicht. Auf der Generalversammlung am 24. Januar 1975 wurde Dieter
Schlichting als Nachfolger für Jörg Troike zum Kassenwart gewählt. Der ständige Zugang neuer Vereinsmitglieder machte es erforderlich,
daß noch 1975 ein Anbau an der Sporthalle Herrengarten begonnen
wurde. In diesem Anbau wurden zusätzlich Umkleideräume und ein
Sitzungszimmer eingerichtet. Das Sitzungszimmer mußte bereits 1980
wieder aufgelöst werden, da dieser Raum nun ebenfalls als
Umkleidemöglichkeit benötigt wurde. Am 23. Januar 1976 übernahm Christiane Schlichting das Amt als
Kassenwart von ihrem Ehemann. Am 11. Juni 1976 wurde der ehemalige
Jugendraum der Sporthalle dem ATSV als Vereinsclubhaus überlassen.
Nach Umbau und Ausstattung dieses Raumes verfügte der ATSV nun
endlich über eine Heimstätte im Herrengarten, in der er seine
Vereinsarbeit abwickeln konnte, und mit dem er auch einen Raum für
die Pflege der Geselligkeit gefunden hatte. 1976 wurde auch dem
Wunsch nach Kampfsportarten Rechnung getragen. Neben der
Judo-Abteilung wurde nun eine Ju-Jutsu-Sparte eingerichtet.
Am 5. Januar 1977 wurde die Tischtennis-Abteilung wieder im ATSV
Stockelsdorf gegründet und nahm wenig später den Spielbetrieb auf.
Damit kehrte eine Sportart in den ATSV zurück, die sich vor vielen
Jahren großer Beliebtheit erfreut hatte. Am 17. Januar 1977
beschloss die Gemeindevertretung den Bau einer
Großsporthalle. Damit trugen die steten, maßvollen Bemühungen der
Vereinsführung des ATSV unter Heinz Klempau erneut Früchte. Ebenso wurde den Jahrzehnte dauernden Bemühungen des Vereins um
Erstellung eines zweiten Fußballplatzes Rechnung getragen und mit
dessen Bau begonnen. Auch hier beteiligte sich der ATSV mit 20.000
Mark an den Kosten, zuzüglich der Arbeitsstunden, die von
Vereinsmitgliedern erbracht wurden. Am 20. Januar 1978 wurde der l. Vorsitzende des ATSV Stockelsdorf,
Heinz Klempau, auf der Generalversammlung durch den Vereinsausschuss
und den l. Vorsitzenden des Kreissportverbandes, Fritz Latendorf,
für seine 20jährige Amtszeit als l. Vorsitzender des ATSV geehrt.
Hierbei wurde ihm die besondere Anerkennung für die erbrachten
Leistungen und für seinen steten Einsatz zum Wohle des ATSV
Stockelsdorf und der Sportbewegung ausgesprochen. 1978 wurde eines der erfolgreichsten Jahre in der Geschichte des
ATSV. Die Leichtathletik-Abteilung wurde gegründet, in der
Fußball-Abteilung etablierte sich der Damen-Fußball. Ebenfalls
schlössen sich die Volleyballer zu einer Abteilung zusammen. 1978
wurden bedeutende Sportstätten in Stockelsdorf geschaffen und dem
ATSV zur Nutzung zur Verfügung gestellt. Am 14. Juli wurde der vierte Tennisplatz eingeweiht; am l. August
der zweite Fußballplatz offiziell freigegeben; am 15. September die
Großsporthalle seiner Bestimmung übergeben. Darüber hinaus wurden
zwei Kleinfelder im Herrengarten für den Handballsport
fertig gestellt. Für die Einrichtung der Sportstätten kann der ATSV
für sich geltend machen, dass er stets auf seinen Bedarf an
Sportstätten und auf die Bedürfnisse der Bevölkerung Stockelsdorfs
im Verein und in der Schule hingewiesen hat. Nicht zu verkennen ist
das finanzielle Engagement, mit dem sich der ATSV an der Schaffung
der meisten Sportstätten beteiligte. Diese besonderen Leistungen
wurden am 7^-22. Dezember 1978 von der Gemeinde Stockelsdorf mit der
Überreichung der "Verdienstmedaille der Gemeinde Stockelsdorf' an
die Vereinsmitglieder Elisabeth Hermann, Karl-Heinz Lusche und Heinz
Klempau gewürdigt. Doch nach dem Höhenflug folgte eines der schwärzesten Jahre in der
Geschichte des ATSV Stockelsdorf. Heinz Klempau legte am 18. Juli
1979 nach einer Amtszeit von über 22 Jahren sein Amt als l.
Vorsitzender aus Protest über Entscheidungen der Gemeinde nieder und
trat später aus dem ATSV aus. Durch Herrn Troike, als Beauftragter der Stockelsdorfer
CDU-Fraktion, die zu dieser Zeit im Gemeindeparlament die absolute
Mehrheit hatte, wurde ihm mitgeteilt, dass die Gemeinde am
Rensefelder Weg eine Großsportanlage plane, und dass der 1978
eingeweihte zweite Sportplatz im Herrengarten dem ATSV wieder
entzogen werde, wenn die Anlage im Rensefelder Weg erstellt sei. Die
Fläche des zweiten Sportplatzes sollte dann dem kommerziell
geführten Tennis-Center überlassen werden. Ebenso stand der Verbleib
des ATSV insgesamt im Herrengarten in Frage. Wenn man die Einstellung eines Heinz Klempau zum ATSV Stockelsdorf
und zum Sport allgemein kennt, kann man die Verbitterung und
Enttäuschung verstehen, die letztlich zu seinem Rücktritt und zum
Austritt aus dem ATSV führten. Seine Enttäuschung ist um so mehr zu
verstehen, wenn man bedenkt, dass er an der Spitze vieler
Vereinsmitglieder in unzähligen Arbeitsstunden auf dem Sportgelände
Herrengarten seine Freizeit geopfert hat und die Ausgestaltung
dieser Sportstätten als sein Lebenswerk ansehen darf. Am 21. September 1979 wurde auf einer außerordentlichen
Generalversammlung Harry Stephan für den Rest der Amtszeit bis zum
Januar 1980 zum l. Vorsitzenden gewählt. Noch vor der
Generalversammlung im Januar 1980 legte Horst Stichtenoth - seit
1969 2. Vorsitzender -sein Amt nieder. Am 25. Januar
1980 wurde Harry Stephan als l. Vorsitzender wiedergewählt. Mit dem
Amt des 2. Vorsitzenden wurde Armin Albrecht betraut. Die nun folgenden Monate wurden durch den Gedanken geprägt, die
Sportstättenanlage Herrengarten für die Mitglieder zu erhalten.
Hierdurch verhärteten sich die Fronten zwischen Gemeinde und dem
ATSV zusehends. Am 17. März 1981 wurde der ATSV von der Gemeinde
darüber informiert, dass das zweite Spielfeld im Herrengarten ab l.
Juli nicht mehr zur Verfügung stehe und an das Tennis-Center
veräußert werden solle. Die vom Verein aufgebrachten Aufwendungen
für die Erstellung des Platzes wurden dem ATSV erstattet. Am l. April 1981 konnte der ATSV - obwohl am 23. Februar mit dem SC
Stockelsdorf ein zweiter Sportverein am Ort gegründet worden war -
den Schüler Marcus Hübner als 2000. Mitglied begrüßen. Innerhalb von
nur neun Jahren hatte sich die Mitgliederzahl von 1000 also auf 2000
verdoppelt. Die Bemühungen des ATSV, auch zukünftig im Herrengarten verbleiben
z' können, zeigte inzwischen erste Erfolge: Am 19. Mai 1981 wurde
dem ATSV dann mitgeteilt, daß der Herrengarten - mit Ausnahme des
zweiten Spielfeldes - wieder in den Sportstättenplan einbezogen
werden solle. Im Sommer 1981 wurde die Großsportanlage Rensefelder Weg in mehreren
Stufen seiner Bestimmung übergeben, so dass sich der Spielbetrieb der
Fußballabteilung langsam wieder normalisierte. Am 18. Juni 1981 wurde dem ATSV der Pachtvertrag über die Nutzung
der Sporthalle Herrengarten zum l. Juli 1982 gekündigt. Am 22. Januarl982 wurde Armin Albrecht von der Generalversammlung
zum l. Vorsitzenden gewählt. Seine Nach folge als 2. Vorsitzender
trat Hans- Erhard Meinke an. Der nun gewählte Vorstand hatte es sich
zur Aufgabe gestellt, die Gräben, die zwischen der Gemeinde und dem
ATSV ausgehoben worden waren, langsam wieder zuzuschütten, und so
kam es nach und nach wieder zu einer Normalisierung zwischen diesen
beiden Parteien. Am 28. Januar 1983 schied Christiane Schlichting aus beruflichen
Gründen als Kassenwartin aus dem Vorstand des ATSV aus und übergab
ihr Amt an Marlies Riechen. Am 28. März 1983 erhielt der ATSV wieder einen Nutzungsvertrag über
fünf Jahre für die Sporthalle im Herrengarten. Nachdem dieser
Vertrag vorlag, konnte in der ehemaligen Hausmeisterwohnung an der
Sporthalle in Eigenleistung mit Unterstützung der Gemeinde, des
Landessportverbandes und der "Friedrich Bluhme und Eise Jebsen
Stiftung" ein Kraftraum eingerichtet und im November an die
Abteilungen übergeben werden. Am 27 Januar 1984 wurde Christiane Schlichting wieder zur
Kassenwartin gewählt. Marlies Riechen stellte sich nicht wieder zur
Verfügung. Vom 19. bis 26. August 1984 wurde anlässlich des 90jährigen
Gründungstages des ATSV Stockelsdorf in allen Sportstätten in
Stockelsdorf eine Sportwoche durchgeführt. Höhepunkt aller
Festlichkeiten anlässlich dieses Jubiläums war der 28.August 1984,
als sich die Sportler aller Abteilungen in einem Stemmarsch auf dem
Sportplatz Herrengarten trafen. Am 3. November 1984 wurde der Geburtstag, der eigentlich der 5.
November ist, bei einem Festakt im Gemeindezentrum in der
Ahrensböker Straße gefeiert. ^Nachdem die Sporthalle Herrengarten
1984 kurzzeitig wegen Baumängeln durch die Gemeinde gesperrt und der
ersatzlose Abbruch erwogen worden war, konnte nach langwierigen
Verhandlungen und mit Unterstützung von politischen Mandatsträgem
eine Entscheidung zugunsten einer Renovierung der Halle erreicht
werden. Am l. März 1985 wurde die Halle wegen der Renovierungsarbeiten
gesperrt und am 19. November in einer Feierstunde im neuen Outfit
von der Gemeindeverwaltung zur Nutzung freigegeben. Gleichzeitig
konnte ein neuer Clubraum und ein Geschäftszimmer im Trakt der
Sporthalle durch den ATSV in Betrieb genommen werden. Der ATSV hatte
wieder eine Heimstätte erhalten. Zuvor hatte das Vereinsschiff im Februar 1985 aber starke
Schlagseite bekommen. Der damalige Trainer der l. Fußballmannschaft
der Herren wurde zum 28. Februar durch den Vorstand gekündigt.
Daraufhin stellten die Spieler der Mannschaft - bis auf wenige
Ausnahmen - den Spielbetrieb ein. Mit Akteuren aus unteren
Mannschaften wurde eine "Notelf' geformt, die die restlichen Spiele
der Saison absolvierte. Auswirkungen der Kündigung waren dann,
dass die Schriftführerin
Irmtraud Kließ und der Beisitzer im Vorstand Ingo Kließ ihre Ämter
niederlegten und aus dem Verein austraten. Die Kassenwartin
Christiane Schlichting legte ebenfalls ihr Amt nieder. Am 10. Oktober 1985 wurden in einer außerordentlichen
Mitgliederversammlung Carola Wagner zur Kassenwartin, Nora Schule
und Heinrich Voß zu Beisitzern im Vereinsvorstand gewählt. Am 7.
März 1986 stellte sich Carola Wagner auf der Generalversammlung
nicht wieder zur Wahl, woraufhin Lothar Witt zum Kassenwart gewählt
wurde. Beginnend im Sommer 1986 bauten Marlies und Peter Durlach einen
neuen Spielmannszug im ATSV auf. Am l. Oktober wurde im Herrengarten
für die Sportplätze, die Halle und die Tennisplätze von der Gemeinde
ein neuer Platzwart eingestellt. Der ATSV beteiligte sich finanziell
an den Personalkosten. Am l. Mai 1987 trat der Spielmannszug des ATSV erstmals öffentlich
auf und erhielt von den Zuhörern viel Applaus und Anerkennung. Am 24. Mai 1987 fand das erste Ausscheidungsspiel um die Deutsche
Fußballmeisterschaft der Damen in Stockelsdorf gegen den TSV Siegen
statt. In diesem Heimspiel wurde dem späteren Deutschen Meister ein
beachtliches Unentschieden abgerungen. Am 13. Juni 1987 richtete der
ATSV erstmals die Norddeutschen Meisterschaften im Ju-Jutsu aus. Im Oktober 1987 wurde die Gruppe Aikido im ATSV Stockelsdorf durch
die Vereinsmitglieder Klaus und Martin Krüger aufgebaut. Im Jahre 1988 wurde im Verwaltungsbereich des Vereins einiges
verändert. Lothar Witt stellte die Mitgliederkartei auf
Datenverarbeitung um. Am 20. August 1988 weilte der damalige
Deutsche Handball-Vize-Meister TuRu Düsseldorf anlässlich des
lOjährigen Bestehens der Großsporthalle zu einem Gastspiel in
Stockelsdorf. Im Februar 1989 mussten die l. und 2. Damen-Fußballmannschaft
zurückgezogen werden, da beide Mannschaften nicht mehr spielfähig
waren. Nach Ablauf der Saison 1988/89 löste sich dann auch die
Mädchenmannschaft auf, so dass es momentan im ATSV keine
Damen-Fußballmanschaft mehr gibt. Am 21. April 1990 wurde das renovierte und erweiterte Clubhaus der
Tennisanlage eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Mit
erheblichen Spenden aus den Reihen der Tennisabteilung, Zuschüssen
des Landes, des Kreises und der Gemeinde sowie aus Vereinsmitteln
konnte die Baumaßnahme, die im Herbst 1989 begonnen worden war,
rechtzeitig zur Sommerspielzeit fertig gestellt werden. Ab März 1991 wurde Marlies Durlach, die inzwischen die
Finanzbuchhaltung auf EDV umgestellt hatte, in der Geschäftsstelle
des ATSV stundenweise beschäftigt, da der Arbeitsaufwand nebenbei
nicht mehr zu bewältigen war. Am 6. März 1992 stellte sich Lothar
Witt nicht wieder als Kassenwart zur Wahl, und Marlies Durlach wurde
durch die Generalversammlung mit der Führung der Kassengeschäfte
betraut. Seit dem l. Juli 1993 wird die Geschäftsstelle des ATSV durch
Marlies Durlach als Vollzeitkraft besetzt. Am 15 Juli 1993 beendeten
Olga und Hans Gnauck aus Altersgründen ihre Tätigkeit als
"Wirtsleute" im Clubraum des ATSV Stockelsdorf. Sie hatten diesen
Clubraum über 16 Jahre zum Wohle und zur Zufriedenheit der Gäste und
der Vereinsleitung geführt. Der aufgezeichnete Verlauf der Vereinsgeschichte des ATSV
Stockelsdorf wird dem Leser hoffentlich einen ausreichenden Einblick
in den Zeitablauf unseres Vereins vermittelt haben. Bei der
gebotenen Raffung des Zeitgeschehens konnten naturgemäß nicht alle
Daten und Episoden wiedererzählt werden. Als kurzes Fazit über 100 Jahre Sport im ATSV Stockelsdorf
lässt sich
sagen, dass der Sport zu jeder Zeit überwiegend Spaß und Freude
bereitet hat. Wenngleich sich auch Enttäuschungen nicht immer
vermeiden ließen, so haben sich doch stets wieder Idealisten
gefunden, die die Sportidee aufgriffen und sie zum Wohle vieler
weiter getragen haben. Der Sport erlangt in der immer schnelllebigeren
Zeit eine stete Weiterentwicklung. Getragen - wie in den Anfängen
der Sportbewegung - durch den Idealismus, stehen Tag für Tag
Sportfreunde bereit, die durch ihr Engagement die Ausübung des
Sports ermöglichen. Insbesondere ist hier die Betreuung der vielen
Jugendlichen hervorzuheben, die durch den Sport einer sinnvollen
Freizeitbeschäftigung zugeführt werden. Der Sport trifft Vorsorge
für eine gesunde Entwicklung von Leib und Seele. Der ATSV ist im wesentlichen auf die Ausübung des Breitensports
ausgerichtet. Trotzdem haben sich in allen Sportarten immer
besonders talentierte Sportler hervorgetan, die es dann zum Kreis-,
Bezirks- oder gar Landesmeister brachten. Ebenso gab es für
Mannschaftsspieler Berufungen in Landes- bzw.
Bundesauswahlmannschaften. Die Arbeiten in einem Sportverein sind sehr vielschichtig. Sie
beginnen mit einem geordneten Übungsbetrieb, gehen über in die
allgemeine Verwaltung und finden ihren Höhepunkt im Wettkampf. Für
alle diese Aufgaben werden immer und überall Mitarbeiter benötigt,
die sich uneigennützig in den Dienst der Sache stellen. Wir hoffen, auch Ihre Interessen wecken zu können, indem wir alles
Erdenkliche tun, um ordentliche Sportstätten, verständnisvolle
Betreuer, qualifizierte Übungsleiter, ausreichende Turn- und
Sportgeräte und geordnete Vereinsverhältnisse anbieten zu können. Um dies zu ermöglichen, werden uns viele Hilfen durch unsere
Vereinsmitglieder, Freunde und Förderer sowie durch die Gemeinde
Stockelsdorf entgegengebracht. Ebenso hat uns bei der Bewältigung
unserer Aufgaben die Geschäftswelt Stockelsdorfs stets gern
geholfen. Allen gilt deshalb an dieser Stelle unser besonderer Dank. Armin Albrecht
(erschienen anlässlich des hundertjährigen Jubiläums 1994) |